Auf die Größe kommt es an

Oft lässt sich in den sozialen Medien und den Gesprächsforen der allgegenwärtige Unmut über die Größentabelle beobachten, die sich von Firma zu Firma unterscheidet. Man kann auch die Aussagen der Blogger finden, die zu bestimmen versuchen, welche Firma die „richtigsten” Größen bietet.

Man sollte jedoch wirklich mit dem Anfang beginnen, das heißt, warum unsere Größe so und nicht anders ist, wie die Größentabellen entstehen, wie die Kleidungsstücke gemacht werden und wie sich all das auf die Betrachtung unserer Körper auswirken soll.

Einmal sagte eine Bekannte während eines Gesprächs in größerer Runde, es störe sie nicht, dass sie die Größe S oder L trägt, sie würde sich aber unwohl fühlen, wenn sie L oder XL tragen würde. Als ich sie nach dem Grund fragte, konnte sie mir kein logisches Argument entgegenbringen.

Das Unterbewusstsein ist nämlich daran schuld, dass die Frauen die Größen so empfinden, denn dies wird uns seit jeher eingebläut. Jedes Pressematerial, das wir sehen, jedes Model im Fotoshooting wiederholen dieses Muster, bei dem je weniger Platz die Frau beansprucht, desto besser. Deshalb auch wollen wir uns mit der möglichst kleinen Größe identifizieren.

Warum fallen die Größentabellen so unterschiedlich aus? Warum können die Marken kein gemeinsames Muster übernehmen und z.B. die Größe 40 überall gleich groß haben?

Noch bis in die 20er Jahre des 19. Jh. wurden die Kleidungsstücke für jeden Menschen individuell angefertigt. Wer also ein neues Kleid kaufen wollte, musste zum Schneider gehen, um es entsprechend anpassen zu lassen. Als man jedoch mit der Anfertigung der Bekleidung in Massenproduktion begann, wurden die Kleidergrößen notwendig. Die Bekleidungsherstellung wurde in Fabriken verlegt, in denen der einzelne Mitarbeiter für ein bestimmtes Element zuständig wurde, und nicht mehr für das ganze Kleidungsstück. Heute hat jede Marke bzw. jeder Designer eigene Größentabelle, nach der sie/er die Kollektion vorbereitet. Einige haben sich dabei für die Größen S bis L entschieden, andere wiederum von XS bis XL bzw. von XXS bis 6XL. Unabhängig dessen, welches Muster die Firma bevorzugt, sie denkt bei der Anfertigung an ihre Kunden, indem sie vor allem deren Körperbau berücksichtigt. Firmen, die Kleidung für Frauen im mittleren Alter herstellen, orientieren sich also an einer Frau im mittleren Alter, während die Jugendmarken jüngere Models wählen. Jedoch gleich welches Muster sie verwenden, ist es meistens eine Person, die den Größendurchschnitt repräsentiert. Anschließend befassen sich die Designer mit der Abstufung des Modells nach oben und nach unten, auf der Basis der Proportionen des Musterentwurfs. Aus diesem Grund ist es unwahrscheinlich, dass jede Marke dieselbe Größentabelle verwendet, denn zu viele Faktoren sind für das Endergebnis verantwortlich.

Woher soll ich wissen, welche Größe ich habe?

Vor allem aus der Größentabelle. Denken Sie daran, die Größentabellen sind Ihre besten Freunde. Um die Tabelle richtig lesen zu können, müssen Sie ihre Grundmaße kennen, wie den Brust-, Taillen- und den Hüftumfang. Zusätzlich achten Sie immer darauf, aus welchem Material das Kleidungsstück angefertigt wurde. Ist es dehnbar? Ist der Schnitt enganliegend oder locker? Wenn ihre Maße zwei Größen entsprechen (was sehr oft vorkommt), berücksichtigen Sie auch das Material und den Schnitt bei der Entscheidung, ob Sie die kleinere oder die größere Größe benötigen. Schon gekauft und das Kleidungsstück sitzt nicht perfekt? Zögern Sie nicht, es umändern zu lassen, auf diese Weise bekommen Sie für einen geringen Geldbetrag ein perfekt sitzendes Kleidungsstück, an dem Sie viele Jahre Ihre Freude haben werden.

Wie kann es sein, dass ich und meine Freundin dieselbe Größe tragen, obwohl sich unsere Figuren deutlich voneinander unterscheiden?

Jeder von uns ist anders gebaut, wir haben unterschiedliche Muskelmasse, Körpergröße, BH-Größe bzw. die Proportionen des Oberkörpers. Unsere Arme sind unterschiedlich lang, die Schulter unterschiedlich breit, anders ist auch die Halslänge. Und all das ist völlig in Ordnung. Durch die Tatsache, dass unsere Körper so unterschiedlich gestaltet sind, sind wir einzigartig und einmalig. Deshalb schauen Sie nicht auf die Anderen und seien nicht neidisch auf ihre Körper, stattdessen beginnen Sie lieber, Ihren eigenen Körper zu erlernen, seine Maße, Proportionen und behandeln Sie diese wie völlig neutrale Daten. Je mehr Angst Sie vor dem eigenen Körper haben, desto weniger wissen Sie über ihn, und je weniger Sie wissen, desto problematischer wird es, das passende Kleidungsstück zu finden.

Was soll man machen, damit der Einkauf einfacher wird weniger Probleme mit sich bringt?

Merken Sie sich vor allem, dass die Zahl auf Ihrem Größenetikett Ihrem Wert, der Schönheit, der Intelligenz und Leidenschaft nicht entspricht. Es ist nur eine Nummer, die – wie ich bereits erwähnt habe – von Marke zu Marke unterschiedlich ist. Wenn Ihnen die Größe nicht passt, probieren Sie ruhig eine andere an. Es ist nur ein Stück Stoff, nicht Ihr Körper. Kaufen Sie bewusst ein und nehmen Sie sich den Einkauf nicht allzu sehr ins Herz, denn die einzige Größe, auf die es ankommt, das sind Ihre Maße und nicht die Größe auf dem Etikett.

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